Im Berliner Ortsteil Hohenschönhausen betrieb das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (Stasi) sein zentrales Untersuchungsgefängnis. Bis 1989 wurden dort vor allem aus politischen Gründen Inhaftierte zwischen einigen Tagen und mehreren Monaten gefangen gehalten. Heute ist das Gefängnis eine Gedenkstätte, in der ehemalige Insassen in Führungen und Workshops von ihrer Haftzeit berichten.
Das erste Fotoprojekt, das mich in die Gedenkstätte Hohenschönhausen geführt hat, entstand eher zufällig. Ich lebte zu der Zeit in der Nähe und folgte der Einladung von Norbert Wiesneth zu einem Workshop. Mein Sehen und Zeigen mit der Kamera ließ Bilder entstehen, die in dieser Form fast in einem Magazin für Inneneinrichtungen gezeigt werden könnten. In der Kombination mit Details von Oberflächenstrukturen und dem Wissen über die Hintergründe des Ortes werden sie zu Displays einer beklemmenden Atmosphäre von absoluter Macht.
Diese Serie habe ich „Totalitäre Texturen“ genannt. -> zur vollständigen Serie

Knapp 10 Jahre später inspirierte mich die Beschäftigung mit dem Thema „Resonanz“ in der Projektklasse von Klaus W. Eisenlohr dazu, meinen Blick auf reale Personen zu richten, die in der Zeit bis 1989 in diesem Gefängnis inhaftiert waren. Welche Gefühle haben sie heute im Rückblick auf ihre Haftzeit? Was erzählen sie mir, was zeigen sie mir von ihren Erinnerungen? Welche Bilder entstehen dabei, wenn ihre und meine Lebenslinien miteinander in Resonanz geraten?
Mich faszinieren die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sehr individuell mit ihren Erlebnissen vor und während der Haft umgehen. Gründe für die Inhaftierung waren in allen Fällen die Inanspruchnahme heute selbstverständlicher Grundrechte. Freie Meinungsäußerung, Reisefreiheit, Pressefreiheit. Für mich ist die Auseinandersetzung mit diesem Teil der DDR-Geschichte ein persönliches Anliegen. Im Rahmen meiner Arbeit als Musikjournalist beim DDR-Rundfunk zwischen unangepasster Musikszene und staatlichen Strukturen, habe ich natürlich von Repressionen gegen Andersdenkende gewusst, ohne etwas dagegen zu tun.
Ich bin den Protagonisten dieses Projektes dankbar, dass sie ihre Geschichten auf diesem Weg mit uns teilen.
Ausstellung „Was noch zu sagen wäre“, Juni 2026
Vom 11. bis 21. Juni 2026 habe ich die beiden Projekte in der „Fotogalerie Bethanien“ des Photocentrums Kreuzberg ausgestellt. Vier Motive aus der Serie „Totalitäre Texturen“ wurden als großformatige C-Prints gezeigt, die Porträts der fünf ehemaligen Inhaftierten habe ich auf Bildschirmen präsentiert, an denen Besucher und Besucherinnen die dazu gehörigen Audio-Collagen über Kopfhörer anhören konnten.

Die Ausstellung zeigte unter dem Titel „Was noch zu sagen wäre“ neben meiner noch Arbeiten von zwei weiteren Fotografen.
Stefan Angermüller beschäftigte sich unter dem Titel „Vom Verlieren und Wiedererwecken“ mit der Kartographie von Orten und Objekten, die ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben. Er porträtiert Spuren und stumme Zeitzeugen im sozioökonomischen Raum über verschiedene Kultur- und Vegetationszonen hinweg.
Eric Hilf erzählt mit seiner Serie die Geschichten von fünf Protagonisten, die in jedem Krankenhaus vorkommen könnten. In seiner multimedialen Präsentation verbindet er diese Erzählungen mit Orten tief im Keller eines Krankenhauses und bildet damit eine Antipode gängiger Krankenhausdarstellungen.


Wir hatten an den 10 Tagen der Ausstellung etwas über 200 Besucherinnen und Besucher. Viele haben sich ausführlich mit den gezeigten Arbeiten beschäftigt. Es gab einiges an positivem Feedback.
Zu meinem Projekt haben sich viele Gespräche über die DDR-Vergangenheit, wiederständige Biografien und deren Bedeutung für die heutige Zeit ergeben. Besondere Momente waren es, wenn die Protagonisten der Porträts in der Ausstellung waren. Ihr Feedback bedeutet mir natürlich besonders viel.




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